Unteilbare Ressourcen

Bitte beachte auch das Update-Video hierzu.

In dieser Episode spreche ich aus einer Frustration heraus über eine Erkenntnis, die schon lange in mir gereift war: Liebe ist teilbar, Zeit nicht. Und deshalb müssen beide unterschiedlich behandelt werden ❤️ 🕒

In jeder Beziehung existieren silent agreements, die auch unteilbare Ressourcen wie Zeit, emotionale oder sexuelle Kapazität betreffen. Wird die Vereinbarung einseitig verändert, so verändern sich die Ressourcen – auch für meine*n Partner*in. Deshalb müssen wir darüber verhandeln 👍 👎

Welche silent agreements gibt es in eurer Beziehung, wenn ihr mal darüber nachdenkt? Was würde sich verändern, wenn euer*e Partner*in diese plötzlich aufbricht? Und wir würdet ihr in die Verhandlung gehen – ängstlich oder gestärkt? Schreibt’s mir in die Kommentare 👇

Ressourcen

Schlüssiges Verhalten

Oft hat ein bestimmtes Verhalten die Bedeutung einer Willenserklärung, z.B. das Einpacken von Waren in einem Selbstbedienungsgeschäft (=ich will diese Waren kaufen) oder das Abstellen eines Autos auf einem bewachten Parkplatz (= ich will, daß dieses Auto bewacht wird).

http://www.rechtslexikon.net/d/schluessiges-verhalten/schluessiges-verhalten.htm

Einmalzahlungen des Arbeitgebers

Versäumt der Arbeitgeber die Unterrichtung über die Unverbindlichkeit der Einmalzahlungen, kann sich ein Anspruch auf regelmäßige Wiederholung der Gratifikationen aus der sogenannten betrieblichen Übung ergeben. Davon ist in der Regel auszugehen, wenn das Unternehmen seinen Mitarbeitern die entsprechende Einmalzahlung in drei aufeinanderfolgenden Jahren gewährt hat.

https://www.sage.com/de-de/blog/lexikon/einmalzahlung/

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7 thoughts on “Unteilbare Ressourcen

  1. Ich bin über den Monokultur Podcast auf deine Seite gestoßen und habe mir die aktuelle Folge angehört und bin ziemlich verwundert über deine Aussagen.

    Deswegen möchte ich folgendes festhalten:

    Gibt es ein Anrecht auf Sex? Nein.
    Gibt es ein Anrecht auf Sex in Polybeziehungen? Nein.

    Du redest über deine (ehemalige) Beziehung wie über einen Vertrag. Stichwörter: Ressourcen, Konditionen, Verhandlung, Angebot usw..

    Ist es nicht so, dass jede Person für sich selbst entscheidet, wann sie wie oft mit wem Sex hat? Warum willst du darüber verhandeln (wtf)?
    Und ganz wichtig: Man kann einseitig entscheiden, wieviel Sex man in einer Beziehung hat. My body, my choice usw.

    Sex basiert auf Konsens und was du verlangst, ist kein Konsens.

    Auf seine eigenen Bedürfnisse zu achten, heißt nicht, dass du deinen Willen auf deinen Partner/deiner Partnerin überträgst. Es gibt kein Recht auf Sex,
    auch wenn man vorher 5 Mal die Woche Sex hatte.

    Deine Wortwahl und deine Aussagen hören sich so wirklich gefährlich an und ich hoffe du überdenkst viele deiner Aussagen, denn du hast kein Anrecht auf Sex – das hat niemand.

    1. Hej Robin,

      ehrlich gesagt macht mich dein Kommentar ganz schön sauer. Für mich hört sich das nach einer ganzen Menge Unterstellungen an.

      First of all: nein, es gibt kein Anrecht auf Sex. Noch gibt es ein Anrecht auf emotionale Nähe, auf Liebe oder auf Kaffee am Morgen. Nichts von dem hab ich übrigens behauptet.

      Und im Prinzip hast du Recht: Natürlich kannst du einseitig Entscheiden, wie viel Nähe, Sex etc. du in einer Beziehung hast. Das ist aber gerade *kein* Konsens, denn wenn du all das allein entscheidest, lässt du den/die Andere*n völlig außer Acht.

      Hier kommt das Verhandeln ins Spiel: Ich nehme die Bedürfnisse meines*r Partners*in wahr, um gemeinsam zu einer Lösung zu kommen. Alleine zu entscheiden, wie ich die Beziehung gestalte mit all ihren Facetten (zusammen schlafen oder nicht, ob und wie oft Sex, Nähe in welcher Weise, wie oft sehen oder kommunizieren…) ist ein reiner Ego-Trip.

      Ich hab gemerkt, dass ich einseitige Entscheidungen nicht mehr hinnehmen werde. Ich bin genauso Teil einer Beziehung wie der*die andere auch.

      Wenn mein*e Partner*in einseitig entscheidet, wie er*sie die Beziehung gestalten will, dann ohne mich. Denn es gibt auch kein Anrecht auf mich.

    2. Und um nochmal darauf einzugehen, was gefährlich ist: natürlich ist es gefährlich, den Eindruck zu erwecken, Sex (oder irgendetwas anderes) wäre in irgendeiner Weise ein “Muss” in einer Beziehung. Dies ist ein strukturelles Problem und muss unbedingt angegangen werden.

      Es ist aber genauso gefährlich – vor allem gegenüber Leuten mit psychischen Erkrankungen, die den Selbstwert beeinträchtigen – zu behaupten, dass ich in Beziehungen nichts erwarten darf. Das suggeriert, dass ich mich glücklich schätzen kann, dass der*die Partner*in mit mir zusammen sein möchte und dass ich selbst gar nichts dazu zu sagen habe, wie wir die Beziehung gestalten. Das führt zu einer Abhängigkeit, die niemand der Beteiligten so haben will.

      Ich habe selbst im Monokultur-Podcast propagiert, von einer Beziehung “nichts zu erwarten”. Ich habe dazu gelernt.

  2. Flo, ich denke, nach den von dir in der letzten Zeit geäußerten Grdanken und Gefühlen, dass eine monogame, exklusive Liebesbeziehung vermutlich deutlich besser zu dir und deinen Bedürfnissen passt als das bisher gelebte Polykonstrukt.

    Menschen sind, in Abwesenheit eines Vertrages, keine Geschäftspartner, sondern autonome Entitäten, deren Verhalten man, solange nicht strafrechtlich delinquent, nicht einklagen kann.

    Wenn du den Wunsch nach Stabilität und zu einem gewissen Grad auch Kontrolle über die Befriedigung deiner Bedürfnisse (und damit im romantischen Kontext folglich auch deine Partner*innen) haben möchtest, dann gehe einfach gesellschaftlich normierte Beziehngen ein, welche am Ende nichts anderes als implizite, soziale Vertäge darstellen, die bei Vertragsbruch mit sozialer Geringschätzung und Zurückweisung bestraft werden (können).

    Deine Entwicklung schreitet schnell voran, das freut mich sehr für dich. Es kann aber irgendwann der Zeitpunkt kommen, an dem die bisherigen Denk- und Verhaltensweisen nicht mehr kongruent mit deinem aktuellen Zustand sind, an welchem man sich den Schritt gönnen und mit den alten Dogmen brechen sollte, für sich und seinen inneren Frieden.

    1. Nein, Peter. Für mich ist eine monogame, exklusive Liebesbeziehung keine Option.

      “Menschen sind autonomen Entitäten” – ja! Und genau deswegen ist eine Verhandlung über Bedürfnisse nötig. In einer monogamen, exklusiven Beziehung ist diese übrigens gerade *nicht* nötig. Dort werden die Randbedingungen von der Gesellschaft definiert und gerade nicht von den beteiligten Personen.

      Was ich nicht verstehe, ist, warum du mit “Verhandlung” direkt Worte wie “Geschäftspartner”, “Vertragsbruch” oder “einklagen” in Bezug bringst. Da interpretierst du Dinge rein, die ich nicht gesagt habe. Ich habe das Gefühl, deine Assoziationen sagen mehr über dich aus, als über mich.

      Wenn ich meine Mitbewohnis frage, was ich heute kochen soll, dann ist das eine Verhandlung über Bedürfnisse. Wenn meine Eltern mich fragen, wann ich wieder vorbei komme, dann ist das eine Verhandlung über Bedürfnisse. Wenn ich mit meiner Partnerin darüber spreche, ob wir heute getrennt schlafen oder zusammen, dann ist das eine Verhanldung über Bedürfnisse. Nichts von dem hat mich “Strafrecht”, “Verträgen” etc. zu tun.

      Mir geht es nicht darum, jemand anderen bei Nichterfüllung meiner Bedürfnisse mit Zurückweisung* oder Geringschätzung zu bestrafen. Mir geht es überhaupt nicht um Bestrafung, sondern darum, meine Grenzen zu wahren. Und diese Grenzen können darin bestehen, aus der Beziehung auszusteigen, wenn sie mir mehr Leid als Glück verschafft. Das hätte ich in diesem Fall (sehr) viel früher tun sollen.

      Mir geht es darum (a) meine Bedürfnisse selbst zu erkennen, (b) sie als valide zu erkennen und (c) mit meinen Bedürfnissen gehört zu werden. Ich habe – auch in Zusammenhang mit meiner psychischen Erkrankung – Probleme mit allen dreien.

      *tatsächlich ist die Angst vor Zurückweisung mein stärkster Antrieb dazu, meine Bedürfnisse nicht wahrzunehmen oder zu kommunizieren. Und das ist ein Problem, das ich hiermit angehe.

  3. Hey Ely,

    traurig zu sein darüber keinen Sex zu haben ist total legitim und auch verständlich. Aber ich muss sagen das sich einige Aussagen von dir schon sehr Besorgniserregend anhören.

    Ich akzeptiere keine einseitigen Entscheidungen in Beziehungen mehr ?
    Lies dir bitte diesen Satz nochmal durch und sage mir wie er sich für dich in Bezug auf Sex in Beziehungen anhört ( oder auch nicht in Beziehungen anhört) worum es ja hauptsächlich in deinem Beitrag geht.

    Wie oft, mit wen, wie und wie lange ich mit Menschen Sex habe entscheide nur ich persönlich. Natürlich kommuniziere ich meine Bedürfnisse und Vorlieben mit meinen Partner:innen, aber die Entscheidung wie oft ich Sex habe treffe ich alleine.
    Verhandeln heißt in diesem Fall nichts anderes als beeinflussen/manipulieren – wenn du nicht mehr so viel Sex wie früher mit mir hast muss ich mich trennen.
    Was hast du davon wenn dein:e Partner: in unter diesem Druck wieder öfter mit dir schläft weil du verhandelt hast und sie sonst Angst hast das du dich trennst?

    Genauso gibt es kein Gewohnheitsrecht wenn es um Sex in Beziehungen – weibliche Sexualität ist keine Ressource über die du verfügst und über die man in Beziehungen verhandelt.
    Niemand ist dir Sex ( oder eine Erklärung warum ein nein – nein heißt ) schuldig und du kannst es nicht einklagen durch eine Verhandlung. Es ist eine menschliche Beziehung, kein Gerichtsverfahren.

    Und zu deinem ersten Kommentar oben – wie oft ich Sex haben möchte ist keine gemeinsame Beziehungsgestaltung sondern meine persönliche Entscheidung – das ist Kein Ego Trip – das ist sexuelle Selbstbestimmung.

    Und zum Abschluss, das sind keine Unterstellungen das du Beziehungen von von an so führst, aber das ist das, was du eben gesagt hast.

    Ich würde mich freuen wenn du nochmal aus feministischer Sicht das Thema “Frauen als sexuelles Kapital” betrachten und deine Aussagen reflektieren würdest.

    Grüße
    Lisa

    1. Hej Lisa,

      erstmal danke, dass du dir die Zeit genommen hast, so einen Kommentar zu schreiben. Tut mir leid, dass sich einiges besorgniserregende anhört, vielleicht kann ich dazu beitragen, das etwas aufzuklären.

      First of all: Sex war ein wahnsinnig schlechtes Beispiel. Das Thema Sex nimmt – gerade im feministischem Kontext – ja durch patriarchale Strukturen nochmal eine Sonderrolle ein und ich hätte es nicht als Beispiel nehmen sollen. Ich dachte auch, dass meine feministische Haltung aus dem Podcast klar gewesen wäre, allerdings scheint das nicht der Fall gewesen zu sein.

      Über das Thema Sex sollte deshalb gesondert gesprochen werden und das werde ich auch nochmal in einem Update klar machen. Hier verweise ich mal auf das andere Beispiel (in einem Bett schlafen oder in zwei):

      Ich habe nochmal über den satz “Ich akzeptiere keine einseitigen Entscheidungen in Beziehungen mehr” und muss sagen, dass ich ihn weiterhin so unterschreibe. Wenn ich in einer Beziehung vor vollendete Tatsachen gestellt werde, ist das für mich nicht akzeptabel. Ich möchte gefragt werden, wie es sich für mich anfühlt, wenn (um beim Beispiel zu bleiben) meine Partnerin von jetzt an immer alleine schlafen möchte. Denn gefragt zu werden ist das, worauf Konsens basiert. Niemand kann alleine einen Konsens herstellen.

      Zum Thema “Verhandeln heißt in diesem Fall nichts anderes als beeinflussen/manipulieren”: Der Satz “wenn du nicht mehr so viel Sex wie früher mit mir hast muss ich mich trennen” ließe sich auch umgekehrt betrachten, nämlich als “Wenn du weiterhin so viel Sex mit mir haben willst, dann ist diese Beziehung nicht für dich”.

      Ich kann immer nur für mich selbst entscheiden, was ich möchte und was nicht (und selbstverständlich können alle Menschen das auch im Hinblick darauf, mit wem und wie viel Sex sie haben möchten) aber ich kann eben auch für mich selbst entscheiden, ob ich in einer Beziehung bleiben möchte. Das ist keine Drohung, sondern eine Grenze: wenn Bedürfnisse nicht zusammen passen (und da ist das Bedürfnis nach Sex keine Ausnahme), dann kann man entweder einen Konsens finden, z.B. indem man verhandelt – oder sich trennen.

      Ich sehe ein, dass männlich sozialisierte Personen in den meisten Fällen diejenigen sind, die manipulieren oder beeinflussen – indem sie vor die Wahl stellen “hab mehr Sex mit mir oder ich trenne mich”. Aber auf der anderen Seite kann das negative Bedürfnis, nämlich weniger/keinen Sex zu haben, auch (geschlechtsunabhängig) zum Druckmittel werden: “wir haben so wenig Sex wie ich möchte – wenn dir das nicht passt, musst du dich trennen”. Tatsächlich nehme ich an, dass beide Fälle ein großes Problem in sexuell exklusiven Beziehungen darstellt.

      Und natürlich habe ich gar nichts davon, wenn meine Partnerin öfter mit mir schläft, als sie will, weil sie sonst Angst hat, dass ich mich trenne. Im Gegenteil, ich würde mich furchtbar fühlen. Aber ehrlich gesagt glaube ich, dass es nie der Fall war, dass jemand Angst hatte, ich würde mich trennen (Selbstwertgefühl lässt grüßen).

      Ich glaube, ich konnotiere das Wort “Verhandlung” anders als die meisten der hier Kommentierenden. Für mich heißt verhandeln, Bedürfnisse wahrzunehmen, zu kommunizieren und einen Konsens zu finden – also so, dass niemand Widerstände spürt. Sex zu haben, obwohl man es nicht will, ist ein sehr großer Widerstand. Sex in einer Beziehung haben zu wollen, aber nicht zu können, auch.

      Ich nehme hier meine Grenze wahr. Eine Beziehung, in der ich nicht gefragt werde, ist für mich keine Beziehung, in der ich sein möchte. Selbstbestimmung heißt auch, selbst zu bestimmen, in welcher Beziehung ich sein möchte und in welcher nicht. Und das ist das, was ich erkenne (und wünschte, schon früher erkannt zu haben).

      Ich hoffe, ich konnte es ein bisschen aufklären. Wenn du noch Kommentare dazu hast, immer her damit.

      Alles Gute
      Ely

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