Ausweg

Immer noch Quarantäne. Bis Sonntag. Nerv.

Zumindest hatte ich heute eine Online-Sitzung mit meiner Therapeutin. Und ich habe viel herausgefunden, womit ich nicht gerechnet hätte. Es ging um meine Eltern.

Vorab: Liebe Mama, lieber Papa, wenn ihr das lest, seid mir nicht böse. Ich will es euch auch persönlich sagen, ich muss es nur selbst erst einmal verdauen.

Die Situation war in den letzten Monaten nie leicht. Für keine*n der Beteiligten. Das Drama gipfelte im Schweden-Urlaub. Trotzdem habe ich für mich selbst dann keine Grenze gezogen und gesagt: “Das geht nicht, das verletzt mich, finden wir da eine Lösung?”

Ich habe es nicht gesagt, weil ich Angst hatte. Angst, damit diese Beziehung zu verlieren. Deswegen musste ich mich anpassen. Und das ist nicht neu.

Diese Dreier-Konstellation kenne ich schon. Jeder Mensch mit Mutter und Vater ist in einer Dreier-Konstellation – auf die eine oder andere Art und Weise. Nur kann sich ein Kind eines nicht leisten: Die Beziehung zu verlieren. Denn das kann tödlich sein.

Ich habe diese Unsicherheit als internalized judgement übernommen. Angst, eine Beziehung zu verlieren kommt für mich einer Todesangst gleich. Aber das Dreiergespann der letzten Monate sind nicht meine Eltern. Und ich war auch nicht in Gefahr.

Der unbedingte Wille, die Beziehung aufrecht zu erhalten, hat sie zum Scheitern verurteilt. Ich hätte bereit sein müssen, meine Bedürfnisse zu äußern und dabei in Kauf nehmen, dass – vielleicht – der einzige Ausweg die Trennung gewesen wäre.

Das habe ich nicht.

Aber es ist trotzdem so gekommen.

Ely

2 Kommentare zu “Ausweg

  1. Lieber Ely,
    du bist mir wirklich eine große Inspiration. Ich war die letzten Tage immer wieder in einer Art Panik-Paralyse-Zustand. Dein Eintrag hier hat mich dazu gebracht meine Playmobils zu nehmen (ich habe systemisches Coaching damit gelernt) und noch mal (immer und immer wieder) mein Familiensystem aufzustellen. Alter Falter…. Ich dachte, das Thema hätte ich durch… nun weiß ich aber, mein Kind-Zuhause war noch disfunktionaler als gedacht. Dank dank für deine Inspiration. Ich habe ein hübsches Ritual ausgeheckt, das ich die Tage machen werde. Ich nenne es “Schmetterlings-Ritual” und erlaube mir in einem Transformationsprozess mir ein gutes Eltern-Ich zu sein. Und gleich noch eine neue Selbstheilungs-Methode ausprobiert. Ich spreche und nehme mich dabei selber auf und höre mich über Kopfhörer. Vielleicht ist das was für dich, weil du deine Stimme ja auch schon gewöhnt bist von außen zu hören… Ich habe das als kulturwissenschaftliche Erkenntnisgewinnungsmethode von Moritz Klenk. Der hat darüber im promoviert, hat aber eben ein Jahr jeden Tag mit sich selbst über Soziologie gesprochen und nicht über sich. Das verändert etwas in der Haltung beim Sprechen. Sehr spannend. Ich hoffe, ich bin nicht übergriffig, aber diese One-Way-Kommunikation die ein Blog offeriert ist mir komisch. Ich hab dir und euch schon so viele Stunden zugehört, dass du mir natürlich näher bist, als ich dir. Das Front-Phänomen, wie ich es nenne. Man schaut und hört lange als Gruppe eine Einzelperson, egal ob Künstler oder Dozent, der/die hingegen sieht einen nicht und kennt einen nicht… ein merkwürdiges Ungleichgewicht… ich kenne es von beiden Seiten 😀 Ich habe übrigens in GfK meine Abschlussprüfung über die Schuld-Scham-Rutsche gemacht.. Ich wünsche dir viel Kraft und Licht und Hoffnung und mehr als alles Trost!!!!!

    1. Hej Katja,

      danke für deine Rückmeldung. Schön, dass ich dir eine Inspiration sein kann!

      Nimmst du dich selbst auf und hörst es danach an? Oder direkt, mit Zeitversatz? Hört sich auf jeden Fall spannend an, muss ich auch mal versuchen!

      Das Front-Phänomen kenne ich nur zu gut. Es haben mir schon einige Leute gesagt, dass es sich komisch anfühlt, mich zu treffen, weil sie viel mehr über mich wissen als ich über sie. Im Endeffekt war es dann aber auch nie ein großes Problem. Du kennst das auch von der Seite der Vortragenden?

      Danke für die Wünsche und alles Liebe!
      Ely

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