Geschwür

Ich kann nicht schlafen. Obwohl ich müde bin. Mein Geschwür lässt mich nicht los.

Ich kann es spüren. Es ist an meine Persönlichkeit angewachsen und so groß, dass es diese überragt.

Es ist rot. Pulsierend. Voller kleiner Risse, aus denen Blut läuft. Mit einem Krater aus Schorf.

Ich kann es spüren.

Dieses Geschwür übernimmt die Kontrolle. Viel zu oft. Es redet mir ein, ich sei nicht gut genug. Ich sei wertlos. Ich sei schuld.

Dabei bin ich das nicht.

Ich konzentriere mich auf meinen Atem. Ich konzentriere mich darauf, wer ich wirklich bin. Ich bin jemand anders. Ich bin nicht meine depressiven Gedanken. Ich bin nicht mein Geschwür.

Ich weiß das. Wissen hilft nicht. Ich muss es spüren. Spüren, dass da mehr ist. Dass es Menschen gibt, die den wirklichen Ely sehen. Spüren, dass ich selbst warmherzig, mitfühlend und frei bin. Wenn ich es zulasse.

Es will mir weiß machen, dass ich das nicht bin. Nicht sein kann. Es sagt mir, dass ich schlecht behandelt werde. Weil ich es verdient habe. Dass andere mich nicht lieben. Weil ich es nicht verdient habe. Dabei bin ich das nicht.

Ich kann es spüren.

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