Friendzone

Ich bin gerade nicht gut drauf. Von Zeit zu Zeit habe ich das Gefühl, alle Menschen – Frauen – die ich kennenlerne, schätzen mich. Als Freund. Als Zuhörer. Als Kümmerer.

Das gibt mir ein gutes Gefühl. Das macht mich stolz. Aber gleichzeitig auch nicht.

In meiner Erinnerung ist es schon lange her, dass jemand so richtig auf mich stand. Dieses Gefühl, der Person ständig nah sein zu wollen, dauernd Sex zu haben und zu zweit genug zu sein.

Ich möchte, dass das wieder so ist. Dass jemand so richtig auf mich steht.

J meint, das ist schon der Fall. Viele Frauen, die zu uns in die WG kommen, mögen mich und ich hatte auch mit einigen eine intime Zeit. Aber eben auch nur das. Ich will gemocht werden – körperlich und emotional.

Ich klinge wahrscheinlich wie ein Incel: “Es liegt an den Frauen, dass sie mich nicht zu schätzen wissen”. Aber ich weiß, dass ich anders bin. Es liegt eben nicht an der anderen Person, sondern an mir.

Einerseits finde ich es selbst nicht sexy, wenn sich jemand selbst nicht genug ist oder andere Menschen braucht, um sich vollständig zu fühlen. Die Krux an Depression ist aber leider, dass man aus diesen Phasen nicht so leicht raus kommt.

Andererseits sind meine Ansprüche auch utopisch – soll sich jede Frau, die ich kennenlerne, in mich verlieben? Und zwar sofort, nach dem ersten Treffen? Das ist doch Bullshit. Manchmal dauert es eben ein bisschen oder man trifft einfach nicht die richtigen Menschen.

Das macht alles Sinn. Das Problem an Depression ist nur, dass Sinn nicht hilft. Ich werde abwarten müssen, mir etwas gutes tun und einfach hoffen, dass ich morgen wieder klarer denken kann. Dann wird mir auch bewusster sein, dass ich nicht auf die Zuneigung von anderen angewiesen sein muss.

7 thoughts on “Friendzone

  1. Bei mir ist es genau andersrum. Spannend deinen Blogartikel mal aus der anderen Perspektive zu lesen. Ich hab das Gefühl ich platze vor Liebe, die ich mit anderen teilen möchte und da ist niemand. Ich verliebe mich oft sehr schnell und genieße es dann auch einfach nur mit der Person Zeit zu verbringen.
    Ich möchte auch nicht auf die Zuneigung anderer angewiesen sein bzw. Auf die Offenheit und die Bereitschaft anderer sich auf mich einzulassen. Was mir in solchen Momenten gut tut, ist meine Kreativität anderweitig auszuleben und meine Liebe in ein Projekt fließen zu lassen. Die Sehnsucht nach Menschen ist aber trotzdem da.

    1. Danke für deine Rückmeldung, Sarah! Du meinst, du verliebst dich oft sehr schnell – ist es dann für dich auch ok, wenn diese Verliebtheit nicht erwidert wird?

  2. Hast du dich mal in dem Kontext deiner oben geteilten Gedanken gefragt, weshalb du so viele weibliche Freunde hast, beziehungsweise immer so viel besser mit Frauen ausgekommen bist als mit (gleichaltrigen) Männern?

    Gleich und gleich gesellt sich gerne, Frauen fühlen sich bei dir wohl, weil du “ungefährlich”/genau wie eine von ihnen handelst und sprichst. Du verkörperst mit deinem Verhalten wenige männliche Charakteristika, weshalb sich hetero Frauen weniger zu dir hingezogen fühlen können.

    Du hast mal in einem Podcast erwähnt Angst vor dem Vergleich mit anderen Männern zu haben und daher besser mit Frauen klarzukommen. Genau hier liegt der Hund begraben. Dieses Verhalten wirkt sehr unsicher und, aus Mangel eines treffenderen Begriffes, schwach.

    Frauen fühlen sich tendenziell eher zu Stärke hingezogen, wie übrigens alle Menschen auf der Suche nach Struktur.

    In dem Moment, in dem du deine Angst vor deinen Geschlechtsgenossen bezwingen und ihnen souverän gegenübertreten kannst, wirst du für hetero Frauen sexuell deutlich attraktiver werden.

    Du kannst hierbei gerne anderer Meinung sein, aber das ändert nichts an der Realität. Lassen wir mal all das politische Dogma beiseite und schauen stattdessen nur auf die beobachtbaren Fakten.

    Falls du diesen Gedanken viszeral etwas abgewinnen kannst, dann schreib mir eine Mail und wir kommen ins Gespräch.

    1. Die Idee, dass Frauen sich bei Männern zu Stärke hingezogen fühlen bzw. Schwäche und Unsicherheit abstoßend finden habe ich schon öfter gehört und wundere mich immer wieder darüber, woher sie eigentlich kommt. Frauen, die auf Männer stehen, fühlen sich ja beobachtbar häufig zu Männern hingezogen, die spannende und begeisternde Beziehungspartner sind, weil sie z.B. eigene Interessen und Leidenschaften pflegen und darüber offen sprechen und das somit ausstrahlen. Das geht natürlich mit einer gewissen Selbstsicherheit einher, vielleicht wird das deshalb mit Stärke verwechselt. Aber das schließt ja nicht aus – eher im Gegenteil – dass Männer auch zu ihren Schwächen und Unsicherheiten stehen können, ohne dadurch unattraktiv zu werden.

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